Die aus einer aserbaidschanischen Familie stammende, in Russland geborene Autorin Jegana Dschabbarowa wuchs in einer streng konservativen Community auf. Und in diesem Umfeld ist auch die Ich-Erzählerin des Romans zuhause. In dieser patriarchalen Kultur dürfen Frauen genau soviel, wie ihnen Männer zugestehen. Selbst der gesamte weibliche Körper ist unzähligen religiösen und kulturellen Vorschriften unterworfen. In Kapiteln, die einzelnen Körperteilen zugeordnet sind, erfahren wir zum Beispiel, dass Augenbrauen erst gezupft werden dürfen, wenn die Frau verheiratet ist. Oder dass Frauenhände immer beschäftigt sein müssen mit Hausarbeit und Kinderbetreuung. Sorglosigkeit ist Männerhänden vorbehalten. "Jede Frau in unserer Familie wusste, dass die Hände ihr nicht zum Schreiben gegeben waren." Von Frauenkörpern wird erwartet, gefügig zu sein und vor allem Kinder zu gebären. Es ist der Körper der Erzählerin, der sich den Unterdrückungsmechanismen entzieht, indem er chronisch krank wird, und somit die an ihn gestellten Erwartungen nicht mehr erfüllen kann. Die Unfreiheit einer Ehe bleibt der Erzählerin dadurch erspart, allerdings ist sie jetzt Schmerzen und Krankenhausaufenthalten unterworfen.
Die Autorin gibt tiefe Einblicke in die Lebenswelt von Frauen in streng männlich dominierten Kulturen. Dabei bleibt die Sprache stets poetisch, zart und gleichzeitig kraftvoll.