Berlin, in den 1930er-Jahren: Die junge Martha, zielstrebig und gewissenhaft, sucht eine Stelle und findet sie als Hausbesorgerin eines Mietshauses, das der jüdischen Familie Berkowitz gehört. Schnell wird sie zur "Seele des Hauses", hat regen Kontakt zu allen Mietern und auch zur Besitzer-Familie. Henry Berkowitz hat Katharina geheiratet, eine russische Opernsängerin und deren Tochter Liane adoptiert. Katharina leidet sehr darunter, dass sie aus Russland fliehen musste und schafft es nicht immer, für ihre Tochter da zu sein. Da Martha und ihr Mann keine Kinder bekommen können, entwickelt Martha bald eine sehr innige Beziehung zu Liane. Mit der Machtübernahme der Nazis muss Henry das Land verlassen, Liane, die gerade die Schule abschließt, schließt sich dem Widerstand an. Als Liane 1942 verhaftet und schließlich hingerichtet wird, ist es Martha, die Katharina auffängt und unterstützt.
Kupferberg verwebt hier Fiktion mit historischen Tatsachen. Die Geschichte von Liane Berkowitz und ihrer Familie ist tatsächlich so passiert, auch Martha hat tatsächlich existiert. Kupferberg hat akribisch recherchiert und mit Zeitzeugen gesprochen. In ihrer klaren, eindringlichen Sprache findet sie einen Weg, auch das größte Grauen zu erzählen. "Nicht auffallen" ist die Taktik, die Martha anwendet, um ihren Arbeitgebern zu helfen. Sie schafft es, deren Eigentum für sie zu erhalten, das sie ihr aus Dankbarkeit schließlich übereignen. Nicht retten kann sie Liane, das belastet die tief religiöse Frau bis an ihr Lebensende, wo sie schließlich verwirrt durch die Straßen ihres Bezirks irrt. Kaum jemand kennt ihre Geschichte, bis Shelly Kupferberg darauf stösst.